Bericht Schwälmer Bote vom 19.07.2009:

Kampf ums Leben

 

Gilserberg. So passiert: Es ist kurz vor acht Uhr in der Früh. In der zentralen Einsatzleitstelle der Rettungsdienste in Homberg geht ein Notruf über die 112 ein. Ein älterer Mann in Sebbeterode ist kolabiert, er befindet sich in Lebensgefahr, ein“ Herz-Kreislaufstillstand. Jetzt geht es um jede Sekunde. Kurze Zeit nach dem Anruf sitzt bereits der Notarzt aus Schwalmstadt im Auto, der Rettungswagen aus Jesberg ist auch schon unterwegs. Innerhalb zehn Minuten müssen sie vor Ort sein, so ist es vom Gesetz vorgeschrieben. Während es für die weißen Kräfte nicht schnell genug gehen kann, ist einer der zwölf Voraushelfer der Freiwilligen Feuerwehr Gilserberg bereits vor Ort. Gleichzeitig mit der Alarmierung des Notarztes und Rettungswagens, ist die Meldung in den Funkmeldeempfängern der Voraushelfer eingegangen. Einer wohnt in Sebbeterode, nur wenige Meter vom Haus des kolabierten Mannes entfernt.



Reanimation schon begonnen

 

Als der Rettungswagen und Notarzt eintreffen hat der ehrenamtliche Lebensretter bereits mit der Reanimation begonnen und so das Leben des Mannes gerettet. Es geht nicht darum, den Notarzt zu ersetzen. Es geht darum, möglichst viel Menschenleben zu retten, sagt Markus Böse, Gemeindebrandinspektor im Gilserberger Hochland. Als Pilotprojekt im Landkreis Ende 2007 von der Gilserberger Feuerwehr ins Leben gerufen, hat sich das Voraushelfersystem, auch First Responder genannt, mehr als bewährt. 62 Mal waren die Helfer seit dem 7. November 2007 im Einsatz. Selbstverständlich ist solch eine Einheit nicht. Die besonders geschulten Einsatzkräfte arbeiten ehrenamtlich. Einmal im Monat geht es zur Schulung. Unterstützt werden sie von den Hausärzten Dr. Klug und Dr. Wagner-Praus. Was in Bayern beinahe flächendecker Standard ist, erfährt im Schwalm-Eder-Kreis die Geburtsstunde. 

 

Gefühlte Stunden vergehen

 

Wenn es nach mir geht, ist solch eine Einheit in jeder Kommune präsent“ das Potential zumindest ist da, sagt Vize-Landrat Winfried Becker. Er spricht aus eigener Erfahrung und dem Gefühl wie es ist, wenn ein nahestehender Mensch mit dem Leben ringt. Da gehst du die Wand hoch. Bis Hilfe eintrifft werden Sekunden zu Stunden. Als die Gilserberger Blauröcke die Vorreiterschaft übernommen haben, war Becker zunächst skeptisch. Die psychische Belastung der Voraushelfer ist immens. Meistens sind sie als erste am Einsatzort. Da heißt es kühlen Kopf bewahren. Jetzt ist es für ihn eine Sache ohne Negativaspekte. In Unkosten hat sich die Gemeinde Gilserberg nicht gestürzt: Die etwa 7.000 Euro teure Ausrüstung für alle zwöf Voraushelfer wurde aus Gemeindekasse finanziert. Hinzu kommt Geld für die monatlichen Schulungen und neuesˆAusrüstungsmaterial. Bürgermeister Lothar Vestweber: Ich bin stolz auf unsere Feuerwehr. Sie geben Sicherheit und kämpfen mit vollemˆEinsatz um jedes Leben